Black Mirror II (Game)
Posted by Art-Noir on Oct 30, 2009
Game: Black Mirror II
Medium: PC – CD-ROM
Website: www.butler-bates.de
Wahnsinn ist erblich – So lautet einer der Werbeslogans auf den offiziellen Merchandising-Produkten zum aktuellen Nachfolger des hervorragenden Grusel-Adventures und Überraschungserfolges aus dem Jahre 2004.
Und diesem Motto folgt das neue PC-Game Black Mirror II in einer Weise, die zu Beginn des Spiels nicht unbedingt abzusehen ist…
Wir schreiben das Jahr 1993, 12 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen aus Teil 1: Im verschlafenen, aber traumhaft gelegenen Küstenort Biddeford, irgendwo in Neuengland angesiedelt, schlüpfen wir in die Rolle des Studenten Darren Michaels, der in einem kleinen Fotogeschäft einen schlecht bezahlten Ferienjob ausübt und dort den Launen seines schmierigen und äußerst unsympathischen Chefs Fuller ausgesetzt ist. Schon bald taucht die genauso attraktive wie mysteriöse Angelina als Kundin für ein Fotoshooting im Laden auf. Und dann überschlagen sich die Ereignisse.
Ein Unbekannter tritt in die Handlung ein, der sowohl Angelina als auch Darren zu verfolgen scheint. Wenig später wird Darrens Chef ermordet aufgefunden, Darren und Angelina geraten in den Kreis der Verdächtigen.

Und plötzlich führt die Geschichte den Spieler zurück nach Willow Creek in England und auf das düstere Black Mirror Castle, den Schauplatz der tragischen Ereignisse des ersten Teils, wo er grauenvolle Entdeckungen machen wird …
Spieler, die bereits das Vergnügen hatten, Teil 1 dieser Horror-Thriller-Geschichte zu erleben, bekommen auch in der Fortsetzung fast all das geboten, was den Vorgänger auszeichnete: ein klassisches Point & Click-Adventure in bester Gruselroman-Manier. Die Rätsel sind herausfordernd, aber stets fair und logisch konstruiert. Sollte man allzu lange mit der Lösung beschäftigt sein, kann man bei Bedarf eine Hilfe in Anspruch nehmen, die einem das Rätsel nach einer angemessenen Zeit sofort löst. Wie ohnehin der gesamte Schwierigkeitsgrad des Spiels an die individuelle Erfahrung des Spielers angepasst werden kann. So ist es z.B. möglich sich an jedem der weit über 100 detailliert ausgearbeiteten Schauplätzen alle verfügbaren Hotspots, welche die interaktiven Elemente der betreffenden Spielszene kennzeichnen, per Mausklick anzeigen zu lassen. Dies beugt dem Übersehen eines wichtigen Gegenstandes und, damit einhergehend, anschließender Ratlosigkeit vor.
Auffallend viele Gegenstände gibt es zu entdecken und zu erkunden, nicht alle sind für die weitere Handlung von Belang. Hierin offenbart sich eine große Liebe fürs Detail seitens der Macher, welche natürlich für erhöhten Spielspaß sorgen dürfte.
Für erhöhten Spielspaß sorgen dürfte ebenso eine Nettospielzeit von etwa 15-16 Stunden, die meisten vergleichbaren Adventure-Games haben hier diesbezüglich wesentlich weniger zu bieten.
An einigen Stellen im Spiel kann Darren sogar zu Tode kommen, doch ein Autosave vor der entsprechenden Szene sorgt hier für Frustvermeidung. Auch die Steuerung mittels Maus ist genauso komfortabel und vor allem einfach zu handhaben wie aus dem ersten Teil gewohnt.
Der Spielgrafik ist eine durchwegs hohe Qualität zu attestieren, lediglich die Personen wirken in ihren Bewegungen etwas knöchern und hüftsteif, was aber wiederum durch die erstaunlich hohe Anzahl von mehr als 40 individuellen Charakteren ausgeglichen werden sollte. Diese sind alle mal mehr oder weniger glaubhaft dargestellt, originell kommen sie aber alle daher.
Die Sprachausgabe ist überwiegend gut gelungen, lediglich einige Charaktere wirken in ihrem Sprachverhalten etwas übertrieben kauzig und dadurch unnatürlich. Besser macht es da die Musik im Spiel. Sie kann wohl nur als großartig bezeichnet werden, und sorgt durch ihren verhalten-orchestralen Stil in ganz besonderem Maße für spannenden Atmosphäre. Allerdings gelingt dies der Musik auch deshalb, weil die Handlung des Spiels hier nicht so ganz ihren Teil dazu beitragen will. Zu langsam kommt sie zu Beginn in Fahrt, ohne Vorkenntnis von Teil 1 mag man lange Zeit nicht glauben, dass man es hier mit einem Horror-Adventure zu tun hat. Erst als Darren in Willow Creek angekommen ist, kehrt diese subtile Düsternis, die den Vorgänger so spannend und einzigartig machte, wieder annähernd zurück.
Doch gerade als die Story richtig in Gang geraten ist, geht sie in einem äußerst kuriosen Finale auch schon zu Ende. Und dieses Finale ist, ohne an dieser Stelle jetzt zuviel verraten zu wollen, doch arg abstrus und ziemlich unbefriedigend. Hier wird eindeutig zu dick aufgetragen und der ansonsten zwar durchaus bisweilen brutalen, aber eher recht bodenständigen Story einiges an Glaubwürdigkeit weggenommen.
Eine Kaufempfehlung möchte ich trotz dessen für Black Mirror II aussprechen. Die vielen fein ausgearbeiteten Schauplätze und Charaktere, die soliden Rätsel und das erstklassige Gameplay entschädigen für den etwas hinkenden Plot. Und mit seiner langen Spieldauer weiß das Spiel dann letztlich zu überzeugen. Vielleicht war man vom ersten Teil auch einfach nur verwöhnt …
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